Dialog als Mittel zum Zweck

Hans Heinrich Hansen

Im Rahmen der konstituierenden Sitzung des ECMI Beirats und des internen Workshop mit allen Mitarbeitern stellte Hans Heinrich Hansen die Organisation FUEV vor und berichtete von seinen Erfahrungen im Umgang mit Mehr- und Minderheiten.

Die Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) ist mit mehr als 90 Mitgliedsorganisationen in 32 europäischen Ländern der größte Dachverband der nationalen Minderheiten in Europa. Gegründet wurde die FUEV 1949 in Paris, im selben Jahr wie der Europarat. Die FUEV vertritt die Interessen der europäischen Minderheiten auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene. Sie setzt sich ein für den Erhalt und die Förderung der Identität, Sprache, Kultur und Rechte der europäischen Minderheiten. Hans Heinrich Hansen vom Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) ist seit 2007 Präsident der FUEV. Er macht sich seit vielen Jahren stark für die Rechte und Gleichstellung der Minderheiten. Im Rahmen des internen Workshops erzählte er von seinen Erlebnissen und Erfahrungen als Mitglied der deutschen Minderheit in Dänemark und seinen vielen Reisen ins europäische Ausland, um die Situation zwischen Mehr- und Minderheiten stets zu verbessern. Hans Heinrich Hansen, 1938 in Hadersleben geboren, wurde schon früh auf die Problematiken im deutsch-dänischen Grenzland aufmerksam. 1944 wurde er an einer deutschen Schule in Nordschleswig eingeschult. Das Jahr darauf, das Ende des 2. Weltkrieges, war einschneidend für Dänemark. Viele Mitglieder der Deutschen Minderheit hatten Hitlers Truppen unterstützt und standen jetzt im Fadenkreuz. Hans Heinrich Hansen wechselte später zu einer dänischen Schule, mit deren Theatergruppe er im Abschlussjahr bei einer dänischen Schule auf deutscher Seite auftrat – für ihn das Schlüsselerlebnis. Sein Interesse für Minderheiten war geweckt! Zu seinen markantesten Erlebnissen, sagt Hansen, gehörte eine Einladung zur Feier der 75jährigen Zugehörigkeit Nordschleswigs zu Dänemark im Juli 1995 auf Düppel. Bei dieser Veranstaltung durfte Hansen sogar eine Rede halten – eine revolutionäre Entscheidung der dänischen Organisatoren, einen Vertreter der deutschen Minderheit miteinzubeziehen. Medien in ganz Dänemark griffen das Thema auf. Mit dieser Rede trug Hansen dazu bei, dass die deutsche Minderheit in Nordschleswig der Mehrheits-Bevölkerung gleichgestellt wurde. Durch persönliche Gespräche mit dem damaligen Vorsitzenden Heinrich Schultz, Sydslesvigsk Forening (SSF), dem Kulturverein der dänischen Minderheit, kam es dann zu einem ersten Austausch über die Grenze hinweg. Heute arbeiten die beiden kulturellen Dachverbände eng zusammen und initiieren Projekte, an denen Mehr- und Minderheiten teilnehmen. Für Hans Heinrich Hansen ist der Dialog und der persönliche Kontakt essentiell für das friedliche Zusammenleben und die gleichwertige Behandlung von Mehr- und Minderheiten in ganz Europa – dafür setzt er sich unermüdlich ehrenamtlich ein.

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